14. Hin zum Licht

Gerald Plessgott und Martin Tomaschewski

26. Januar

„Hallo Gerald, hier ist der Martinello. Martin hat mir erzählt dass du eigene Songs geschrieben hast, die du mit uns zusammen spielen möchtest.“
„Das stimmt. Hättest du Interesse?
„Wir haben ja schon einmal mit dem Frank ein paar Songs von dir aufgenommen. Sind die neuen Songs auch so in diesem Stil?“
„Äh, nein. Die neuen Songs sind ganz anders. Vom Stil her folkig, poppig und bluesig. Mit deutschen Texten diesmal.“
„Das klingt interessant. Martin und ich haben unsere Dienstpläne abgeglichen. Wir könnten nächste Woche am Mittwoch, so ab 19.30 Uhr.“
„Super, das machen wir so. Ich freue mich schon!“
„Ich freue mich auch!“

Martin Tomaschewski
Martin Tomaschewski: vor ihm ist kein Instrument sicher!

Ich hatte schon gar nicht mehr mit Martinellos Anruf gerechnet. Nachdem ich Martin letzte Woche auf mein Amely Day Band-Projekt angesprochen hatte und nichts mehr gehört habe, ist meine Freude jetzt um so größer. Mein Körper scheint gerade übervoll mit positiver Energie. Ich weiß gar nicht was ich als nächstes machen soll. Ich könnte …ich sollte, …ich würde, …ich muss erst einmal raus hier und eine Runde mit meinen Nordic Walking Stöcken laufen.

Immer der Sonne entgegen,
Tränen auf nassem Gesicht,
du musst dich wieder bewegen,
hin zum Licht

Der Song läuft in meinem Kopf während ich durch kleine Nebenstraßen den Berg hoch zu den Tennisplätzen walke. Ich laufe in einem zügigen Tempo und obwohl ich mich nicht aufgewärmt habe, scheinen alle Muskeln bereits total locker zu sein.

Eigentlich walke ich auch nicht, ich marschiere. Aufrecht. Erhobenen Hauptes. Die Schultern nach unten, nicht hängend. Die Arme gleichmäßig schwingend im Rhythmus eines Shuffle-Blues mit 140 BPM. Und meine Gedanken? Sie formen ein klares Bild vor meinem geistigen Auge:

Landschaft

Nächste Woche am Mittwoch spiele ich zum ersten Mal meine Songs, gemeinsam mit zwei Musikern die keine Noten benötigen, sondern fühlen was sie spielen wollen. Ich weiß bereits jetzt schon, dass es sich fantastisch anhören wird. Und wenn den Beiden meine Songs gefallen, finden wir auch einen Schlagzeuger, oder Cajon und Congas Spieler und einen Sänger. Und dann geht’s auf die Bühne. Ich sehe das quasi schon vor mir. Und das Publikum wird die Refrains mitsingen. Auch das kann ich schon hören. Und es wird so viel Spaß machen…

Eine Stunde später laufe ich bereits wieder über das freie Feld, in Richtung des Waldstückes das zu den Tennisplätzen führt. Den letzten Anstieg spüre ich in meinen Oberschenkeln. Die Realität hat mich wieder eingeholt. Jetzt nichts wie nach Hause und ab unter die Dusche.

Natur

Die Antwort auf alle Fragen

Um halb Acht fahre ich nach Karlstadt. Ich bin dort mit meinem besten Freund verabredet. Wir wollen in einer Sushi-Bar, von der wir schon viel gutes gehört haben, etwas essen und anschließend ein Konzert von zwei befreundeten Musikern besuchen. Nachdem ich einen Parkplatz gefunden habe, sehe ich beim Aussteigen einen Ford Focus mitten auf der Straße stehen.

Ich denke gerade, dass es cool wäre wenn das jetzt mein bester Freund wäre und schon sehe ich eine Hand aus dem Fahrerzeug winken. Wir hatten vereinbart, dass der Erste von uns beiden der in Karlstadt eintrifft den Anderen anruft und bescheid gibt wo er geparkt hat. Wer hätte geglaubt, dass wir ohne genaue zeitliche Absprache tatsächlich zur gleichen Zeit den selben Parkplatz ansteuern würden.

Asiatische Gemüsepfanne
Wenn ich selbst mal „asiatisch“ koche….

Auf dem Weg zur Sushi Bar erzählt mir mein bester Freund, dass er ohne Handy losgefahren ist, weil die SIM Karte, die er heute für sein neues Handy gekauft hatte, nicht rein passte.
„Sind hier etwa höhere Mächte im Spiel?“ frage ich während ich dabei die Augen leicht schräg nach Oben drehe.
„Das war Telepathie. Ich habe dich mit meinen Gedanken auf diesen Parkplatz gelotst.“
„Liegt dein Heimatplanet etwa in der Nähe der Beteigeuze?“
„Wie lautet die Antwort auf alle Fragen?“
„42“
Bis zur Sushi-Bar folgen dann noch eine ganze Reihe weiterer Zitate aus dem Film: Per Anhalter durch die Galaxis.

Nachdem wir lecker gegessen haben gehen wir rüber in die Lilien Lounge. Dort haben heute Abend Björn und Frank als Duo Way Down South gemeinsam mit dem Gitarrenduo Non Hit Wonder einen Auftritt.

Asiatischer Gemüseteller
Mit meiner Hoi Sin-Paste gelingt mir jedes „asiatische“ Gericht

Ausgelutschte Abgeh-Nummern

Wir betreten die Cocktailbar und werden sofort von einem Bekannten entdeckt, der sich vor einem halben Jahr bei meiner Cover-Band Pearlgarden als Sänger versucht hatte. Er ist mit seiner Freundin hier und während wir uns über unsere gemeinsame musikalische Vergangenheit austauschen schweift mein Blick von der Theke, die sich links vom Eingang befindet, Richtung Bühne.

Way Down South
Way Down South in der Lilien Lounge

Die Cocktailbar ist gut besucht. Alle Tische sind besetzt und die Lautstärke der Musik erlaubt eine Unterhaltung bei der man seinem Gegenüber nicht ins Ohr brüllen muss.
„Was sind das für Songs“ fragt mich mein bester Freund.
„Die meisten Stücke kenne ich zwar vom hören, kann sie aber den jeweiligen Bands nicht immer zuordnen. Die Beiden spielen viele Stücke von den Byrds, Shadows, Beatles, Stones, Eagles oder den Traveling Wilburys.“
„Hört sich gut an.“
„Das finde ich auch. Vor allem der mehrstimmige Gesang kommt gut.“

Der erste Song-Block ist zu Ende und Björn und Frank gesellen sich zu uns. Wir stehen noch immer an dem als Stehtisch umfunktionierten Weinfass zwischen der Bar und dem bestuhlten Bereich.

Weinfass
Auch beim Weinfest am Stein dienen alte Weinfässer als Tischersatz

„Servus, na wie läuft´s?“ frage ich Björn.
„Ganz gut. Wir mussten kaum nachregeln. Der Sound den wir heute Mittag beim Soundcheck eingestellt haben klingt vorne vor der Bühne richtig gut.“
„Hier hinten könnte es etwas lauter sein. Die Leute hier im hinteren Bereich nehmen euch mehr als musikalische Untermalung wahr und nicht als Band der man zuhört.“
„Stimmt. Ich merke das bei Marcus und Rudy die gerade spielen. Ich hab mit Frank schon darüber gesprochen dass wir bei solchen Locations mit einer zweiten Lautsprecher-Reihe im Mittelgang arbeiten sollten da wir nicht lauter machen können weil es sonst vorne zu laut ist.“

„Das ist eine gute Idee. Was mir bei euren Songs aufgefallen ist, ich hab die eine oder andere Abgeh-Nummer vermisst so wie „Breakfast at Tiffanys“ was die Beiden gerade spielen.“
„Da hast du nicht unrecht. Ich glaube so ausgelutschte Abgeh-Nummern haben wir gar nicht im Programm.“
Ich muss grinsen weil ich verstehe was er mir damit sagen will.

Way Down South
Way Down South live – die Zuhörer sind begeistert!

Kurz vor Ende des Konzerts, bei dem alle vier Musiker gemeinsam auf der Bühne musizieren, verlassen wir die Lilien Lounge. Wir können nicht bis zum Schluss bleiben, da mein bester Freund morgen wieder zur Arbeit muss. Und ich? Ich gehe morgen wieder Der Sonne entgegen….hin zum Licht!

(Anfang verpasst?)