1. Das Ende allen Übels

Wäre der Anfang das Ende allen Übels, könnte keiner sagen:
Hab ich’s doch gewusst. Hab ich dir doch gesagt. Hättest du wissen können. Was machst du auch wieder für Sachen.
Und könnte der Blinde Fahrrad fahren, müsste der Taube nicht Radio hören. Was für ein Witz. Was für ein Scheiss. Und alles nur weil der Schmerz den es zu besiegen gilt, nie der Schmerz sein kann der zu überwinden ist.
© Auszug aus meinem Notizbuch – Niedergeschrieben in Irland auf einem Hausboot irgendwo auf dem Shannon

9. Dezember

Als 17jähriger sass ich ich mit meinen Freunden jeden Sonntag Nachmittag im Café. Weil wir meistens noch ein wenig vom Abend vorher verkatert waren hatten wir immer die gleichen Themen: was machen wir wenn wir im Lotto die Millionen gewinnen? und was machen wir wenn wir mal 50 Jahre alt sind?

Das Lotto-Thema war schier unerschöpflich und unser Kreativ-Potential grenzenlos. Aber die Sache mit dem Alter machte uns richtig Sorgen. Wir waren uns damals alle sicher dass wir es mit dem 30. Lebensjahr beruflich und privat geschafft haben: eine attraktive Frau, wohlgeratene Kinder, ein eigenes Haus, ein Vorzeige-Haustier und jedes Jahr Urlaub in einem exotischen Land damit die Nachbarn und Arbeitskollegen vor Neid erblassen.

Und wenn wir 50 sind? Dann….ist da nichts mehr. Da waren wir uns sicher. Die Kinder wären aus dem Haus, die Frauen würden permanent gelangweilt an uns herumnörgeln, der Job wäre nur noch Routine und im Urlaub lägen wir faul an irgendeinem unbekannten Strand herum oder würden uns mit Cocktails an der Strandbar betrinken.

Doch dann ist es uns eingefallen: wir warten mit dem Motorradführerschein bis wir 49 Jahre alt sind und ab dem 50. Geburtstag düsen wir regelmäßig mit unseren Maschinen quer durchs Land. Born to be wild. Das wird total geil. Das Leben hatte einen Sinn!

Ein Lebenstraum

Seit Anfang August befinde ich mich in einer Beruflichen Auszeit. Burnout, Seelische und körperliche Erschöpfung meinte mein Hausarzt und riet mir zu Hause zu bleiben um wieder zu mir selbst zu finden.

Da mich tags zuvor stechende Schmerzen in der Brust auf dem Weg ins Büro zur Umkehr zwangen und ich bereits die Wochen davor jede Nacht mit Herzrasen von Träumen aufgewacht bin in denen ich verzweifelt versucht habe gegen eine nicht enden wollende Aufgaben-Flut, die in Form von Sprechblasen wie Maschinengewehr-Salven durch die offene Bürotür auf mich einprasselten anzukämpfen, habe ich seinen Rat befolgt.

Das war vor vier Monaten. Vier Monate in denen ich fast täglich mit Nordic Walking Stöcken durch die Natur gehetzt bin und versucht habe den unkontrollierbaren Gedanken die mit dem getriebenen Laufen einher durch meinen Kopf jagten eine Richtung zu geben.

Vier Monate in denen ich gemeinsam mit einem Psychotherapeuten an den Ursachen meiner mentalen Erschöpfung gearbeitet habe. Vier Monate in denen ich nur dann zur Ruhe gekommen bin wenn ich Gitarre gespielt habe und meine Gefühle aus meinem Bauch in meine Hände teleportiert und über die schwingenden Seiten fühlbar, spürbar und erlebbar machen konnte.

Es ist mir schon bewusst, dass ich 52 Jahre alt bin und die Chance als Nobody auf musikalischen Erfolg nicht mehr besonders hoch ist. Und trotzdem habe ich heute morgen entschieden, die Sache mit der Musik etwas aktiver anzugehen. Quasi den Versuch starten meinen einen großen Lebenstraum zu realisieren – zumindest soweit das in meinem Alter noch möglich ist….